Ins Notizbuch 6

Schon die Motive zeigen, in welchem Maße sich die Verfasser des BGB Jherings Diktum „der Gesetzgeber soll nicht contruieren“ verpflichtet fühlen: Im Unterschied zum Preußischen ALR möchte das BGB den Rechtsstoff nur zu einem sehr geringen Teil darstellen. Grundprinzipien wie Vertrags- oder Testierfreiheit werden nicht erwähnt, Grundbegriffe wie Willenserklärung, Rechtsgeschäft oder Schaden nicht definiert. (…) Häufig sind die Rechtssätze aus sich selbst heraus nicht hinreichend verständlich oder es stellen sich Fragen nach den Wertungsgesichtspunkten, die einen Rückgriff auf dogmengeschichtliche Grundlagen erforderlich machen. Dogmatik bildet also einen Bezugsrahmen außerhalb des Gesetzes, der je nach Problemlage in unterschiedlichem Maße heranzuziehen ist. Der in der Literatur häufiger anzutreffenden Meinung, das BGB sei Ergebnis eines auf Lückenlosigkeit bedachten Rechtspositivismus, muss daher widersprochen werden.

– Stephan Meder, Rechtsgeschichte, S. 343

Wie oft hatte man als Studienanfänger das Gefühl, ganze Regelungskomplexe des BGB ohne Skript nicht zu verstehen?

Das lag oft nicht an der antiquierten Sprache oder dem hohen Abstraktionsgrad. Vielmehr fehlen dem BGB als Ergebnis eines an der Pandeketenwissenschaft ausgerichteten Rechtsverständnisses einfach wichtige Informationen – welche dann eben das Lehrbuch liefern musste.

Der gestresste Rechtsadressat möge sich bedanken bei Rudolf von Jhering und seinen treuen Gehilfen.

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