Abgrenzung / Juristisches Bloggen

Unerlaubte Handlungen ist noch ein sehr junger Blog. Er ist zwar schon aus den Kinderschuhen und -krankheiten herausgewachsen, aber befindet sich wohl noch nicht im Erwachsenenstadium, sondern eher in der Pubertät. Und da die Pubertät die Zeit der Abgrenzung zu Autoritäten, Lehrern und Gleichaltrigen zum Zwecke der eigenen Identitätsfindung ist, erklären wir hier trotzig und mit tiefer Stimme:

Folgende Auswüchse des juristischen Bloggens wird man bei uns nicht finden:

  • Bloße Wiedergabe von Einzelurteilen: Inzwischen fühlt sich jede mittelgroße Kanzlei berufen, einen hauseigenen Blog zu führen und diesen mit der neuesten, lieblos kommentierten Rechtsprechung der Obergerichte anzufüttern. Wir verzichten gerne darauf. Das wird uns nicht davon abhalten, gerne hin und wieder konkrete Urteile zu besprechen. Aber nur, wenn sie uns tatsächlich abstoßen oder begeistern.
  • Subsumtionspressen: Das althergebrachte, den Juristen eigentümliche Spielchen, ob sich der kuriose Sachverhalt XY unter dieser oder jener Norm subsumieren ließe. Etwa, ob man einen Betrug beginge, wenn man spätnachts am Bahnhof in der Kälte einem anderen das letzte Taxi wegschnappte. Solche Diskussionen halten wir für brotlose Kunst.
  • Prozessanekdoten: Berichte über das Verhalten bestimmter Prozessbeteiligter in einem konkreten Rechtsfall. Eine Spezialität des typischen Strafverteidiger-Blogs, gerne gewürzt mit Berichten über den eigenen Triumph über den bösen Richter, Staatsanwalt, etc. Die Erkenntnis, dass es bei der menschlichen Umsetzung von Normen eben auch „menschelt“, erscheint uns dann doch reichlich banal.
  • Umfangreiche Fachartikel: Seitenlange, ermüdende Artikel über ein juristisches Einzelthema, die es aus irgendwelchen Gründen nicht in eine der zahlreichen überflüssigen Fachzeitschriften geschafft haben. Das Internet scheint uns hierzu einfach das falsche Medium zu sein. Wir haben dabei zudem oft den Eindruck, dass es zu manchen Themen mehr Aufsätze als tatsächliche Fälle gibt.